Flammen in unserer Wiederaufforstung – was war da los?

In Teilen unseres wiederaufgeforsteten Regenwaldes hat es gebrannt. Hier erfahren Sie, wie es dazu kommen konnte, wie groß der Schaden war, und wie wir darauf reagierten.
Zuvor noch eine kurze Einordnung.

Generelle Überlegungen zum Thema Brandfeldbau

Wurde ein Feld in Costa Rica einige Zeit bewirtschaftet, so lässt man es gerne mehrere Jahre brachliegen. Das hiernach entstandene dichte Gestrüpp mit Pionierbäumen (Spanisch: tacotal), wird dann entfernt und nach dem es getrocknet ist, angezündet. In der Regel finden diese Aktivitäten zum Ende der Trockenzeit hin statt.
In Costa Rica ist dies nach Antrag beim MAG, dem Landwirtschaftsministerium Costa Ricas, erlaubt. Hierbei sind ausführliche Präventionsmaßnehmen zu treffen. Gleichzeitig wird es regelmäßig ohne diese Erlaubnis praktiziert.

Vorteile des Brandfeldbaus
Nach dem Abbrennen des Gestrüpps ist das Feld mit Asche bedeckt. Diese kann beim nächsten Regenfall in die Erde eindringen. Hierdurch wird im regelmäßig sauren Regenwaldboden ein für Pflanzen wachstumsfreundlicher PH-Wert geschaffen. So kann Düngereinsatz reduziert oder sogar komplett ausgesetzt werden.
Diese Praxis kann also bei chronisch klammen Landwirten zu eklatanten Ersparnissen führen.
Wer sich in Deutschland mit dem Thema Salzhalden bei der Kaliförderung befasst hat, weiss, dass die Düngerherstellung mit großen Umweltschäden in Verbindung gebracht wird.
Einfach direkt Dünger zu nehmen, anstatt abzubrennen ist also kaum besser, gleichwohl teurer.

Die Vorgeschichte

Ein Nachbar unseres Wiederaufforstungsgrundstücks wollte also kontrolliert Feuer legen, um von den genannten Vorteilen zu profitieren.
Er sprach mich an und trug mir folgendes vor:

1. Ich lege Schneisen an der Grundstücksgrenze von 2 Metern Breite auf jeder Seite an, wo keinerlei brennbares Material mehr vorhanden ist.

2. Ich bringe eine Motor-Rücken-Pumpe mit, um damit die Wiederaufforstung zu befeuchten und ein Übergreifen der Flammen zu verhindern.

3. Morgens wird ein Gegenfeuer von der Seite der Wiederaufforstung aus gelegt.

4. Ihr werdet informiert, wenns losgeht.

Natürlich war ich nicht begeistert davon. Wohl waren die Vorschläge nah an den Empfehlungen des costarikanischen Landwirtschaftsministeriums dran und klangen vernünftig. Verhindern können hätte man diese Aktion ohnehin nur schwerlich.
Also stimmte ich zu. Doch es sollte anders kommen als abgesprochen.

Überraschung

Als wir eines Tages in der Wiederaufforstung arbeiteten und gepflanzte Bäumchen markierten, sahen wir zur Mittagszeit Rauch von der Grundstücksgrenze her kommen.
Wir nährten uns also und wurden als erstes vom 13-jährigen Sohn des Nachbarn begrüßt. Er meinte etwas in der Art

Ah, da seid ihr ja endlich.

Sein Vater war auch dort und versicherte mir sogleich, dass alles unter Kontrolle sei.
Leider war die Schneise auf seiner Seite nicht wie vereinbart 2 Meter breit, sondern nur einen Meter. Das war der Meter, den wir aus Sicherheitserwägungen zusätzlich und für ihn kostenlos angelegt hatten.
Erst nach einer klaren Ansage verbreiterte er die Schneise zumindest um einen weiteren Meter, denn das Feuer war noch recht weit entfernt.
Zudem stellten wir abgeschlagene Bananenstauden vor die Patenbäume an der Grenze und befestigten diese dort. Ziel hiervon war, die Hitze zuerst auf die wasserhaltigen Stämme und Blätter wirken zu lassen und sie von den Stämmen der Bäume abhalten.

Ein Gegenfeuer wurde übrigens auch nicht gelegt und von Wasser und weiteren Helfern weit und breit keine Spur.
Die Rückenpumpe sei kaputt und ohnehin keine mit Motor, stellte sich heraus.

Hier sieht man im Vordergrund einen Patenbaum, der durch eine davorgestellt, abgeschlagene Bananenstaude geschützt ist. Im Hintergrund sind bereits Flammen erkennbar.

Das Feuer

Und so kam es, wie es kommen musste: Die Flammen griffen über auf unser Grundstück und beschädigten 6-8 Bäume, für die Baumpatenschaften bestehen.

Starke Rauchentwicklung wo rechts der Brandschutzschneise. Links unsere Wiederaufforstung.

Hier konnten wir noch schnell reagieren und zusammen mit unserem Helfer, dem Nachbarn und mir ein weiteres Ausbreiten verhindern.
Nachdem unser Helfer erschöpft nach Hause ging, sollte es zu einer weiteren negativen Überraschung kommen: Weiter oben, auf der anderen Seite einer Abrisskante, hatte sich ebenfalls ein Feuer gebildet. Dieser Abschnitt hat keine Patenbäume, wir haben diese Fläche aus übriggebliebenen Mitteln aufgeforstet und auf ihr befinden sich etwa 4-5 Jahre alte Bäume.

Nachdem ich alleine die 30-50 cm hohen Flammen, die der Wind weiter in die Aufforstung hinein blies, mit einer Machete bekämpft hatte, stellte ich fest, dass meine Kräfte zu Ende gingen.
Durch den Rauch tränten meine Augen, die heisse Luft und die Gase brannten in meiner Lunge und auch ein Wassermangel machte sich bei mir bemerkbar.

Da half nur eines: Hilfe herbeiholen.

In diesem Abschnitt ist der Feuer nur ein wenig übergetreten, trotz der Brandschneise. Es konnte schnell unter Kontrolle gebracht werden. Klar erkennbar die welken Blätter auf unserer Seite links. Rechts die Asche des verbrannten Gestrüpps.
Hier sind 6-8 Patenbäume betroffen.

Die Hilfe

So rief ich zwei Brüder des Nachbarn an, welche sogleich mit dem Motorrad, einer Rückenpumpe und Wasser anrückten. Durch deren Hilfe konnte schließlich der Brand gestoppt werden. Auch das kurzfristige Drehen der Windrichtung half dabei, dass die Flammen sich nicht weiter ausbreiteten.
In Costa Rica exitiert im ländlichen Bereich keine freiwillige Feuerwehr, so wie wir es in Deutschland kennen. Dort ist einfach jeder freiwilliger Feuerwehrman, wenn es in der Umgebung brennt und das Feuer noch überschaubar ist.
Vielen Dank nochmals an dieser Stelle an die Helfer!

Folgen und Einigung

Der vormals unbekümmerte Nachbar schien durch den Vorfall und die mutmaßliche Ansage seiner Brüder sichtlich beeindruckt. Er hielt Brandwache und suchte mich in der Folge auf, um eine gemeinsame Schadensanalyse durchzuführen.
Insgesamt sahen 50 Bäume auf den ersten Blick so aus, als hätten Sie das Feuer nicht überlebt.

In einem Bereich ohne zugeordnete Baumpatenschaften breitete sich das Feuer aus und schädigte etwa 50 Bäume. Die verbleibenden Bäume sind Pionierbäume, welche wir zur Schattenspende erhielten.

Der Nachbar erklärte sich bereit, eine angemessene Kaution zu zahlen, welche dann schrittweise nach dem Wiederherstellen des Zustandes von vor dem Brand zurück gezahlt würde.
Dies natürlich inklusive der regelmäßigen Wartung der Bäume und dem Pflanzen der Setzlinge.
Hierfür erhielt der Nachbar eine Liste von Baumarten, die von uns benötigt werden.

Abschließende Bewertung

Für mich zeigt dieser Vorfall, dass es sehr wichtig ist, vor Ort gut vernetzt zu sein. Dass die Anwohner die Wichtigkeit der Aufforstung anerkennen und auch unterstützen.
Dies ist der Fall. Ich glaube sogar, dass hier irgendwo die Familienehre angegriffen war. Einer der Brüder hatte nämlich einige Tag zuvor ebenso ein Feld abgebrannt und dabei vorbildlich vor- und nachbereitet.
Überhaupt haben die in diesem Gebiet wohnenden Familien jahrelange Erfahrung mit Brandfeldbau und unser Nachbar wusste in der Theorie ja auch gut darüber Bescheid.
Nicht zuletzt ist es essentiell überhaupt vor Ort präsent zu sein, die Vorgänge zu verstehen und einordnen zu können.

Auch wenn der Brandfeldbau mit hohen Risiken verbunden ist und solche Brände in Costa Rica regelmäßig ausser Kontrolle geraten, können wir hier nicht dogmatisch auf ein Verbot bestehen.
Der Nachbar, der das Feuer legte, lebt in einer Holzhütte, ernährt sich überwiegend aus eigener Produktion und besitzt kaum Luxusgüter. Er hat noch nie eine Fernreise unternommen. Sein ökologischer Fussabdruck ist insgesamt also sehr gering.
Jeder durchschnittliche Europäer hat einen höheren ökologischen Fussabdruck, so dass es sich moralisch verbietet hier Vorschriften machen zu wollen.
Auf eine Einhaltung der sinnvollen und gemeinhin praktizierten „best practices“ können wir durchaus bestehen.

Und Kinder sollten bei solchen Aktionen nicht involviert werden, da hier wirklich Lebensgefahr besteht. Der Sohn des Nachbarn war während des Brandes und im Nachgang sichtlich aufgelöst und wusste weder ein noch aus.


Ein Gedanke zu „Flammen in unserer Wiederaufforstung – was war da los?“

  1. Vielen Dank für diesen packenden Eindruck dieser doch beängstigenden Situation für euch selbst und euer Lebenswerk. Inwiefern seid ihr eigentlich in den Medien vertreten in Costa Rica? TV, Radio, Internetplattformen? Wenn ihr nun ein Verein seid, vielleicht ist es dann einfacher für erfolgreiche Firmen, oder Privatleute oder Schauspieler und dergleichen, euch zu unterstützen? Liebe Grüße
    Esther

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