Ausgewachsener Waldmandelbaum mit Nistmöglichkeiten für den großen Soldatenara

4. Frage: Angriff in luftiger Höhe

Frage: Ist Dir bei Deiner Arbeit schon einmal etwas Schlimmes passiert?

Hier schaltet sich die Tochter von Ulises ein und bietet an, die Geschichte zu erzählen. Wahrscheinlich wurde sie bereits so oft zum Besten gegeben, dass Estafania sie auswendig kennt. Also antwortet sie.

Mein Vater hatte am Vortag ein Küken eines Lachfalken ohne Eltern gefunden. Dieses setzte er in ein Loch einer Erdwand, da es zu spät war, es zurück ins Nest zu bringen.
Am nächsten Tag wollte er ein Ara-Nest inspizieren. Er kletterte mit Imkerschutzkleidung und einer Kletterausrüstung mit Schutzseil hinauf. Oben angekommen entfernte er Gesichtsschutz und Handschuh, um besser arbeiten zu können. Plötzlich stachen ihn afrikanische Bienen, welche offensichtlich ein Nest in der Baumhöhle gebaut hatten. Zuerst dachte er, es seien Moskitos.
Die Bienen drangen in seinen Mund, Nase und Ohren ein, während er versuchte, sie zu zerkauen. Schließlich bildeten sie eine Art Teppich um ihn.

Ausgewachsener Waldmandelbaum mit Nistmöglichkeiten für den großen Soldatenara
Ausgewachsener Waldmandelbaum mit Nistmöglichkeiten für den großen Soldatenara. Am Beginn des Stammes beschädigt.

Frage: …eine lebensbedrohliche Situation für Ulises. Wie reagierten seine Begleiter?

Sie alarmierten gegen 11:00 Uhr einen Krankenwagen, konnten aber nicht helfen, da niemand der Helfer für eine Höhenrettung ausgebildet war. Mein Vater fühlte sich fiebrig und hatte das Gefühl, ohnmächtig zu werden. Um wach zu bleiben, zählte er Kühe, die in der Ferne auf einer Wiese grasten – kam aber nie über die Zahl 13 hinaus, wegen seines kritischen Zustandes. Also begann er stets von vorne.
Als er und seine Begleiter einen Lachfalken singen hörten (dessen Küken er am Vortag gerettet hatte), dachten seine Begleiter, er sei tot.
In Costa Rica existiert der Volksglaube, dass der Gesang des Lachfalken den Tod einer Person ankündigt.
Daraufhin bewegte er seinen Fuß, um zu zeigen, dass er noch lebte.
Mein Buder war erst drei Monate alt und mein Vater wollte gerne noch Zeit mit ihm verbringen. Er betete zu Gott dass er ihm noch etwas Zeit geben möge und bat um Regen.

Frage: Wie kam er aus dieser misslichen Lage heraus?

Gegen 15:00 Uhr begann es tatsächlich zu regnen, und die Bienen verschwanden.
Mein Vater seilte sich mit letzter Kraft ab und erreichte gegen 16:00 Uhr den Boden, just als der Rettungswagen erschien. Die Besatzung war verwirrt – sie sahen keinen offensichtlich Verletzten.
Als er sein Hemd öffnete und die über 10.000 Stiche zeigte, glaubten sie ihm zwar, lehnten es aber ab, ihn mitzunehmen. Sie empfahlen ihm, sich am „Clodomiro Picado“-Institut zu melden, einem renommierten Forschungsinstitut, das sich mit Impfungen befasst. Sie sagten sein Blut sei bestimmt für Gegengift geeignet.
Ein peruanischer Freund mit medizinischer Ausbildung pflegte ihn stattdessen über Nacht.

Frage: Hatte der Vorfall langfristige Folgen für Deinen Vater?

Nein, es gab keine Komplikationen. Am nächsten Tag reiste mein Vater sogar zu einem wichtigen Treffen über ein Schutzgebiet für den großen Soldatenara. Es ging um das Schutzgebiet Maquenque, das ihm am Herzen liegt.

Er ist ein Kämpfer – für sich und für die Tiere, die er schützt.

Vielen Dank für diese spannende Anekdote. Wir hoffen auch, dass sowohl Dein Vater, als auch der große Soldatenara uns noch lange erhalten bleiben.

Ulises sitzt auf einem geländegängigen Quad
Ulises Alemán sitzt lächelnd auf einem geländegängigen Quad

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