Faultier, auch Unau

Das Faultier hat es bis zum inoffiziellen Maskottchen Costa Ricas gebracht. Es ist wahrscheinlich das beliebteste Fotomotiv, da es das darstellt, was viele Touristen in Costa Rica suchen: Erholung, Entspannung und Entschleunigung.

In diesem Artikel erfahren Sie sechs Dinge, die Sie bestimmt noch nicht über das Faultier wussten.

1. Drei oder zwei Finger?

Derzeit existieren zwei Gattungen. Man kann sie so unterscheiden:

  • Zweifinger-Faultiere (wissenschaftlicher Name Choloepus)
    Zweifinger-Faultiere haben an den Vorderfüßen, also den Armen, zwei Krallen. An den Hinterfüßen jedoch drei.
  • Dreifinger-Faultiere (wissenschaftlicher Name Bradypus)
    Dreifinger-Faultiere haben an den Vorderfüßen, also den Armen, und den Hinterfüßen drei Krallen.

2. Können Faultiere schwimmen?

Ja, Faultiere sind sehr gute Schwimmer, die sowohl das Brustschwimmen, als auch das Kraulen beherrschen. [1]

3. Sind Faultiere knuffig? Sollte man mit ihnen kuscheln?

Gewiss sehen Faultiere putzig aus und haben einen freundlichen Gesichtsausdruck. Ihr Fell ist gleichwohl von einer Unmenge an Insekten bewohnt. Forscher zählten im Fell eines Faultieres die unglaubliche Anzahl an 978 Käfern, neun Nachtfalterarten, sechs Zeckenarten und zehn Milbenarten. [2] [3]
Ausserdem wachsen in der Regenzeit Grünalgen im Fell, durch welche die Tiere nebenbei bemerkt ihre Tarnung verbessern können.
Überlegen Sie es sich also gut, ob Sie wirklich kuscheln möchten.

Der Kopf eines Faultiers schaut nach oben, man erkennt gut den Pelz und die Borsten
Nahaufnahme des Pelzes eines Faultiers im Regenwald

4. Kann man Faultiere essen?

Faultiere dienen in vielfacher Weise dem Menschen. In der Tat soll das Fleisch sich in Brasilien großer Beliebtheit erfreuen, weswegen das Tier gejagt wird. Gewiss trägt der Fakt, dass die Tiere sich nicht schnell verflüchtigen können, dazu bei, dass sie einfach zu jagen sind.
Das kühlende Fell wird zudem als Satteldecke genutzt und die Krallen werden von Ureinwohnern als Halsschmuck verwendet. [1]

Neues Reserveantibiotikum?

Der spektakulärste Nutzen für den Menschen könnte übrigens vom lebenden Faultier kommen: Wissenschaftler haben im Fell Bakterien entdeckt, die Antibiotika herstellen. Wie im vorherigen Punkt ausgeführt, wohnen unzählige Insekten im Pelz des Faultiers. Diese könnten Krankheiten übertragen, wovor die entdeckten Baktieren das Tier schützen.
In Zeiten von grassierenden multiresistenten Keimen beim Menschen, gegen die selbst Reserverantibiotika nicht helfen, besteht hier eine Möglichkeit, hochwirksame Antibiotika aus dem Fell der Faultiere zu entwickeln. [4]

Ein Medikamentengläschen ist geöffnet worden, der Deckel liegt daneben, Tabletten lieben ausgekippt davor.

5. Ist der Ameisenbaum der Lieblingsbaum der Faultiere?

Der Ameisenbaum (wissenschaftlicher Name Cecropia) besteht in Costa Rica aus fünf Arten. Er ist ein Pionierbaum und wächst sehr schnell, auch in unserer Wiederaufforstung.
Da diese Bäume über kein dichtes Blattwerk verfügen, wird man Faultiere sehr leicht in diesen Bäumen ausmachen können. [7]
Gleichzeitig gibt es wissenschaftliche Berichte, wonach sich speziell das Dreifinger-Faultier (Bradypus) überwiegend von den Blättern des Ameisenbaumes ernährt. [5]

Ein Faultier ist in einem Ameisenbaum zu sehen. Der Ameisenbaum ist kahl und das Faultier gut getarnt.


Wenn man einer Untersuchung aus Brasilien glauben möchte, kommt man zu einem anderen Ergebnis. Dort wird aufgeführt, dass sich selbst das angeblich nicht wählerische Dreifinger-Faultier von Blättern von mindestens 28 unterschiedlicher Bäume und drei Kletterpflanzen ernährt. Zudem hänge die Präferenz für bestimmte Blattarten davon ab, was die Mutter während der sechsmonatigen Schwangerschaft gegessen habe.
Als andere Futterquellen werden diese Gattungen / Arten aufgeführt [6]:

Einige dieser Baumarten pflanzen wir ebenfalls in unserer Regenwaldwiederaufforstung.

Als ob die Sache nicht schon komplex genug wäre, führen andere Wissenschaftler an, Faultiere hätten prinzipiell keinerlei präferierte Nahrungsquelle und würden die Leibspeise von gestern heute bereits verschmähen.
Regenwaldbäume schützen sich vor Fressfeinden durch Einlagerung von Giftstoffen in den Blättern (Alkaloide, Phenole, Terpene und kondensierte Tannine). Indem die Faultiere also regelmäßig die Naherungquelle rotierten, könnten sie eine übermäßige Exposition gegenüber diesen schädlichen Stoffen vermeiden. [5]

Die Frage bleibt also offen mit einer Tendenz zum „nein“.

6. Haben Faultiere schon immer in Bäumen gewohnt?

Nein, die Vorfahren der Faultiere lebten auf dem Boden und waren sehr viel größer. Das bekannteste dürfte das Lestodon sein, welches eine Körpergröße von 4,6m aufwies und mehrere Tonnen wog. Es starb vor etwa 10.000 Jahren durch Überjagung durch Ureinwohner Amerikas aus. [8]

Fazit

Faultiere sind erstaunliche Tiere, die durch ihre Langsamkeit und ihr fröhliches Erscheinungsbild zu begeistern wissen.
In ihnen steckt viel mehr, als man auf den ersten Blick erahnen kann.
Wenn Sie den Lebensraum dieser possierlichen Tiere erhalten wollen, schließen Sie am besten eine Regenwald-Baumpatenschaft ab oder unterstützen Sie unser Projekt mit einer regelmäßigen Spende.

Quellen:
[1] Regenwälder – Tierparadiese unserer Erde, Autor: Bischoff, Mascha, ISBN: 9783577210034, S. 73-78
[2] https://www.scielo.br/j/bjmbr/a/cv8SZN9QjLgp9WH3hSnpWCx/?format=pdf&lang=en S. 18
[3] Endecke den Amazonas-Regenwald, Autor: Staeck, Lothar, ISBN: 978-3-86659-254-4, S. 28
[4] https://enviromicro-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1462-2920.16082
[5] https://www.readkong.com/page/sloth-nutrition-guide-pax-tag-sloth-ssp-2328412
[6] https://www.scielo.br/j/bjmbr/a/cv8SZN9QjLgp9WH3hSnpWCx/?format=pdf&lang=en S. 15
[7] Tropical Plants of Costa Rica, Autor: Willow Zuchowski, ISBN: 978-1501763076
[8] Lebensraum Regenwald – Zentrum biologische Vielfalt, Autor: John Terborgh, ISBN: 3-86025-181-3

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